Mehrwertimmobilien der Zukunft
Gedanken und Anregungen von H. Eker (Dipl. Betriebswirt)
Das Wohn- und Arbeitsumfeld der Deutschen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ständig geändert. Diese Veränderungen werden künftig noch viel schneller erfolgen. Damit die Immobilie in Zukunft diesen Veränderungen gewachsen ist, hier einige Trends, die heute schon berücksichtigt werden sollten:
1.) Wohnen und Arbeiten wird zusammenschmelzen und kombiniert zu HOFFICE (=home + office). Die Arbeitswelt -vor allem der Wissensarbeiter- ist die Wohnung. Die Nutzung technologischer Möglichkeiten in der Wohnung für Information, Weiterbildung und Unterhaltung wird in die Wohnwelt integriert. Funktionsdesign wird “in” sein.
2.) Die Wohnung wird zur Naherholungsgebiet der Gestressten
Hier lassen sich mit Sicherheit die äußeren Einflüsse unter Kontrolle halten. Über Multimedia kann man am Weltgeschehen teilhaben. Als Gegengewicht wird Gastlichkeit als Kommunikationschance erkannt.
3.) Ältere Menschen müssen länger in ihrer Wohnung bleiben
Heimunterbringung wird unerschwinglich. Mehrgenerationenwohnen wird wieder zwangsläufig entstehen. Servicewohnen wird sich durchsetzen.
4.) Wohnlandschaften werden mobil
Der Wunsch vor allem junger Menschen, die Wohnung öfter zu verändern und neu zu gestalten, sollte dazu führen, dass bei neuen Wohnungen die nichttragende Wände wegfallen und große gestaltbare (veränderbare!) Flächen entstehen.
5.) “Intelligentes Wohnen”
Computerisierte Heim-Management-Systeme zur Steuerung von Energieverbrauch, Sicherheit, Gerätenutzung und Bequemlichkeit können unauffällig integriert werden. Unsichtbare Technik hat keine Hemmschwelle.
6.) Das Badezimmer wird zum Fitnessraum
Man wird sich hier immer öfters aufhalten und sich für den Tag fit machen. Das wird mit Düften geschehen, mit Dampfmassage und mit Musik. Das Bad wird zum Ort der Selbstdiagnose und Selbsttherapie (Do-it-yourself-Naturheilkunde!).
7.) Zeitersparnis und Bequemlichkeit sind gefragt und angesagt! Vor allem die Zunahme der Singelhaushalte und der berufstätigen Frauen lassen den Markt für Innovationen zur Zeitersparnis und Bequemlichkeit explodieren. Die Produkte und die Dienstleistungen der Zukunft werden online bestellt und just-in-time geliefert. Der Kunde bestimmt alles! Produktbeispiele: Schmutzabstossende bzw. abweisende Badewannen, Fenster und Bodenbeläge.
8.) Sicherheit gewinnt immer mehr an Bedeutung
Sinkende Realeinkommen bereiter Schichten führen zu Egoismus und Kriminalität. Es entsteht Sicherheitsbedarf.
9.) Einfache funktionale Grundrisse und Wartungsfreundlichkeit der Wohnungen werden erforderlich
Hin zu einfacheren Grundrissen bei Wohnungen. Bequemlichkeit, Sicherheit, Unabhängigkeit, geringe Wartungsnotwendigkeiten, leichte Zugänglichkeit und Nutzung technischer Möglichkeiten sind die Kriterien, die stärker zum Tragen kommen werden.
10.) Do-it-yourself kommt verstärkt
Baumarkt-Kunden müssen nicht mehr selbst Hand anlegen, sondern kaufen die zum Erworbenen nötige Handwerkerleistungen gleich mit. In Deutschland vermittelt der Marktführer OBI (www.obi.de) seinen Kunden die jeweils benötigten Handwerker. Bauleistungsträger müssen dies beim “Ausbau” einbeziehen.
11.) Massive Stadt-Umland-Wanderung
80% der Stadthaushalte realisieren Ihren Traum von den eigenen vier Wänden im Umland. Grund hierfür ist das in der Regel sehr geringe Baulandangebot bzw. das hohe Preisniveau für das knapp verfügbare Bauland. Ein weiteres Hauptmotiv ist oftmals das “schlechte” Wohnumfeld. In kleinen Einheiten, guten Lagen und guter Bausubstanz wird künftig ein Bedarf an großen Wohnungen entstehen. Die aktuelle Studie des Empirica-Institutes hat ermittelt, dass der sogenannte “Remanenzeffekt” (d.h. die Kinderzimmer bleiben nach Auszug der Kinder leer, oder die Frau, die als Witwe das Eigenheim nicht verlässt) wird in den nächsten 20-30 Jahren zu einer Vervierfachung der Prof-Kopf-Wohnfläche führen. Junge Familien benötigen deshalb entsprechend große Wohnungen. Hieraus könnte auch eine Änderung der Marktpreise resultieren. Kleine Wohnungen verlieren an Miet- und Marktwert, während große gewinnen. Im Umkehrschluß könnte hier durch das Zusammenlegen kleiner Wohnungen ein interessanter Markt entstehen. Ebenso könnte sich ein Trend zur kleineren “Zweitwohnung” anbahnen. Erhebliche Leerstände mit Niedrigmieten einerseits und starke Neubautätigkeit in den “Trendbereichen” ist ebenfalls eine mögliche Perspektive.

